Die Macht der Musik

„Häss fess jejläuv, dat wer em Himmel op dich waat
ich jönn et dir, hann ich jesaat“

Sie lesen hier keine exotische Fremdsprache, sondern Dialekt, Kölscher Dialekt. Und die Zeilen haben sicherlich einige Leser*innen schon oft gehört. Die Band „BAP“ hat mit dem Song „Verdamp lang her“ in den 1980er Jahren Musikgeschichte geschrieben. Das (schwierige) Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist Inhalt des Liedes. Wolfgang Niedecken, der Sänger von BAP, versuchte damit, den Tod seines Vaters zu verarbeiten. Die Tatsache, dass sein Vater gläubig war und hoffte, dass im Himmel jemand auf ihn wartet, beantwortete Niedecken mit „Ich gönn es dir!“ In verschiedenen Interviews machte der Sänger immer wieder deutlich, dass der innere Monolog mit seinem Vater, den er in „Verdamp lang her“ führt, seinen Fans gar nicht so wichtig ist. Viel entscheidender ist wohl die Botschaft des Liedes, dass (fast) jeder Mensch irgendetwas in seinem Leben bereut und gerne rückblickend verändern möchte.

Auch in Trauerzeiten ist oft von „Bereuen“ die Rede. Man bedauert zum Beispiel, dass man zu wenig Zeit mit dem/der Verstorbenen verbracht hat. Allerdings ist dies nur eine Seite der Trauermedaille. Der zweite Blickwinkel ist das „gute Erinnern“ an gemeinsame Unternehmungen, etwa gemeinsame Konzertbesuche. Ob Klassik, Rock-Pop, Electronic oder Independent: Wir assoziieren oft Musikstücke mit bestimmten Situationen und nahestehenden Personen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Musik hören eine der häufigsten Aktivitäten ist, die Trauernde alleine tun. Sowohl die Töne als auch die Songtexte erzeugen dabei ihre eigene Magie.

In meinen Trauercoachings ist die musikalische Erinnerung für viele besonders wichtig. Eine junge Frau, die ihren Lebensgefährten durch einen Autounfall verloren hat, erzählte mir, dass sie Kraft aus einem Lied von Max Mutzke zieht. Vor allem der Refrain „Wenn ich mal nicht mehr da bin, dann bleib so wie du bist“ und die letzte Textstrophe empfindet sie als sehr ermutigend für ihr Weiterleben. Hier die entsprechenden Stellen ohne weitere Kommentierung:

(Refrain)
Wenn ich mal nicht mehr da bin, dann bleib so wie du bist
Ich werd für immеr ein Teil von dir sein
Wеil du mich nicht vergisst

(Letzte Strophe)
Und ich weiß, dass du alles schaffst
Die ganze Welt steht für dich bereit
Wir haben unsere Zeit verbracht
Wenn mein Stuhl dann leer bleibt
Dann wünsch ich mir von dir, mein Schatz
Bitte nimm darauf Platz!

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